

Es war der 1. Oktober 1978 als mit Frau Doris Grohmann die erste Ergotherapeutin im Stammhaus der Wicker-Kliniken ihre Arbeit aufnahm. Die erfahrene Ergotherapeutin, die auch Schriftführerin des Deutschen Ergotherapeuten Verbandes war, baute hier in Bad Wildungen die inzwischen 7. Ergotherapie-Abteilung in ihrem Leben auf.
Zu Anfang musste noch ein wenig improvisiert werden. Zum Beispiel wurde aufgrund eines fehlenden Backofens für das Haushaltstraining, eine Schwarzwälderkirschtorte im offenen Tonbrennofen gebacken.
Damals wie heute beschäftigt sich die Ergotherapie mit dem Erreichen der bestmöglichen Selbständigkeit der Menschen, die in Klinik kommen. Es kommen vor allem Patienten vom Kostenträger Deutsche Rentenversicherung Bund mit psychosomatischen, neurologischen und zum Teil auch mit Erkrankungen der inneren Organe zur stationären Rehabilitation in die Klinik.
Zusammen mit den Rehabilitationsangeboten von Krankengymnasten, Logopäden, Psychologen, Psychotherapeuten und Sozialberaterinnen erlangt die Ergotherapie gerade im Bereich der medizinischen Rehabilitation der Rentenversicherungsträger eine immer größer werdende Bedeutung. Frau Grohmann berichtet: „Wir haben in den letzten 2 Jahren in Zusammenarbeit mit den Ergotherapien der anderen Wicker-Kliniken ein Konzept zur Belastungserprobung erarbeitet. Im Stammhaus haben wir dieses Konzept zusammen mit meinem inzwischen 14 köpfigen Team und freiwilligen Testpersonen aus anderen Abteilungen des Hauses erprobt, angepasst, weiterentwickelt und angewendet.“
„Die Patienten können hier innerhalb eines vierstündigen Verfahrens erleben, wie lange ihr Durchhaltevermögen schon anhält. Sie bekommen ein eigenes Bild Ihrer Fähigkeiten innerhalb von drei verschiedenen Modulen, die aus Konzentrations-, Merkfähigkeits-, Reaktions- und handwerklichen Aufgaben bestehen. Die Ziele der Erprobung sowie die Ergebnisse werden mit den Patienten innerhalb dieser Maßnahme besprochen.“ führt Frau Grohmann weiter aus.
Das ergotherapeutische Angebot für die Abteilung Psychosomatik/Psychotherapie ist nicht zuletzt durch den Anstieg der PatientInnenzahlen in diesem Bereich um mehr als das doppelte gewachsen. Vielmehr wurde das Angebot differenziert und erweitert.
In den für sie individuell abgestimmten Gruppentherapien können Menschen ihre Ressourcen und Kreativität entdecken, sich in ihrem (Arbeits-)Verhalten innerhalb der Gruppe erleben, sowie Hirnleistung üben. Gearbeitet wird hier mit den Medien Ton, Speckstein, Pappe + Papier, Farben usw. Unter anderem können die Menschen durch die Anleitung von ErgotherapeutInnen auch lernen mit einem Computer umzugehen – auch wenn sie über keinerlei Vorerfahrung verfügen.
Jeder Patient der Abteilung Neurologie erfährt ein individuelles Aufnahmegespräch in der Ergotherapie, in dem mit ihm zusammen vereinbart wird, welche Therapien während des Aufenthaltes mit ihm durchgeführt werden. Dabei steht das Motto Hilfe zur Selbsthilfe an erster Stelle. Die Menschen können lernen mit den Herausforderungen von angeborenen oder erworbenen Behinderungen im Alltag besser zu recht zu kommen. Dabei kommt es ganz entscheidend auf die Mitarbeit der Patienten an. Sie werden durch das Lernen von für sie sinnvollen Aktivitäten zur Verbesserung ihrer Lebensqualität zu ihren eigenen Therapeuten. Dies fördert eine verbesserte Teilhabe am alltäglichen Leben zu Hause und bei der Arbeit.
Außerdem werden die Menschen in der Ergotherapie mit unterschiedlichen Hilfsmitteln versorgt. Das reicht von Anziehhilfen in Form eines Stabes bis hin zu elektrischen Zusatzantrieben für mechanische Rollstühle, damit auch Menschen mit Krafteinschränkungen sich noch aus eigener Kraft fortbewegen können. Hierbei gilt der Grundsatz so wenig Hilfsmittel wie irgend möglich einzusetzen, damit die Anforderung an den Menschen im Alltag so hoch wie möglich bleibt.
Das Team der Ergotherapie lobt seine Chefin als eine sehr innovative, mit hohem Durchhaltevermögen ausgestattete Frau, die stets ein offenes Ohr für ihre MitarbeiterInnen hat.
Am 2. Oktober feiert die Ergotherapie mit einem großen gemeinsamen Essen das Doppelereignis. Frau Grohmanns dreißigjähriges Dienstjubiläum und 30 Jahre Ergotherapie in der Wicker Klinik. Um sich gut in die Zeit 1978 hineinzuversetzen hat das Team Überraschungen aus den 70ern, wie besondere Getränke, Musik, Photos, Kleidung und Geschichten organisiert.
Christoph Costabel
Ergotherapeut
Stellv. der Leitung
© 1997-2012 Wicker-Gruppe| Aktualisiert am 07.08.2009 | Seite empfehlen